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23. Februar 2012
 

WISO

 
montags, 19.25 Uhr

Das Ende des analogen Satelliten-TV

[Video]

WISO

Digitales Satellitenfernsehen

Alles rund um die Analog-Abschaltung

von Sven-Hendrik Hahn

In drei Monaten endet die Zeit des analogen Satellitenfernsehens in Deutschland. Alles digital - das bringt Vorteile für die Zuschauer, denn die Bildqualität ist besser, und vor allem: Wer umsteigt und den richtigen Receiver hat, empfängt zahlreiche Sender in bester hochauflösender Qualität - ohne Mehrkosten. Der WISO-Tipp zeigt, wie der Umstieg gelingt.

 
 
 
 

Satellitenempfang hat Jahr für Jahr mehr Fans in Deutschland: Im Gegensatz zum Kabelfernsehen steigt die Zahl der Nutzer. Aktuell liegen beide Empfangswege mit je rund 17 Millionen Haushalten in etwa gleichauf, wobei Kabel noch leicht die Nase vorn hat. Das geht aus dem Reichweitenreport des Satellitenbetreibers Astra hervor.

 

Die Vorteile von Satellitenfernsehen: Es ist für die Zuschauer langfristig günstiger als Kabelfernsehen, es fallen keine monatlichen Gebühren an, meist bekommen sie auch eine größere Zahl an Programmen als im Kabelnetz. Zudem ist der Empfang hochauflösender Bilder in brillianter Qualität ebenso wie beim Kabel möglich. Wer einmal einen Platz für die Parabolantenne, die "Schüssel", gefunden und die Kosten für Antenne und Empfangsgerät bezahlt hat, kann sich über den kostenlosen Service freuen.

 

Anlage checken lassen

Unbedingt aber sollten Satellitenkunden schnellstens die Anlage überprüfen lassen und fit machen fürs digitale Zeitalter. Denn am 30. April wird das analoge Signal abgeschaltet. Wer bereits eine Satellitenanlage hat, kann sie leicht auf digitalen Empfang umstellen.

 

Dazu muss er unter Umständen lediglich den kleinen Signalumsetzer vorne an der Parabolantenne austauschen und einen digitalen Receiver kaufen. Das ist bei allen Anlagen ähnlich, bei großen für Hunderte Empfänger ebenso wie in Haushalten mit ein oder zwei Fernsehern.

 

EXTERNE LINKS

Infobox

Klardigital 2012

Die Initiative "klardigital 2012", die das ZDF gemeinsam mit öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanbietern sowie den Landesmedienanstalten durchführt, soll den Zuschauern den Umstieg auf Digitalfernsehen erleichtern, erklärte der für die Technik im ZDF verantwortliche Produktionsdirektor Dr. Andreas Bereczky: "Die digitale Ausstrahlung über Satellit bietet viele Vorteile wie mehr Sender, besseres Bild und eine digitale Programmzeitschrift direkt auf dem Bildschirm, so dass analoges Fernsehen bald ausgedient hat". Gewohnte Angebote wie den Videotext wird es weiterhin geben.

 

PARTNERSEITE

Videotext: Seite 198

Ob Sie betroffen sind, können Sie ganz leicht nachprüfen: Auf nahezu allen Rundfunksendern wie ARD und ZDF wählen Sie im Videotext die Seite 198. Dann lesen Sie unter Umständen folgenden Text: "Wenn Sie diese Seite sehen und Ihr Fernseher über einen Satellitenempfänger angeschlossen ist, empfangen Sie Ihre Fernsehprogramme analog. (...) Bitte stellen Sie auf digitalen Empfang um."

Sie sollten in jedem Fall vorher wissen, ob Sie Ihr Fernsehen per Kabel oder Satellit empfangen, denn auch Kabelkunden erhalten diese Anzeige - Sie müssen nichts weiter tun.

 

Einfache Umrüstung

Der Vorgang an sich sei Routine, sagt Fernsehtechniker Werner Schmidt, der auch Vorstandsmitglied im Fachverband Elektro- und Informationstechnik (FEHR) ist: "In aller Regel steht die Umrüstung bisher an, wenn die Kunden einen neuen Fernseher kaufen, denn dann wird der Unterschied schlagartig deutlich." Die Bildqualität sei digital besser, das falle bei einem großen LCD- oder Plasmafernseher sofort auf.

 

Überschaubarer Aufwand

Die Kosten für die Umrüstung sind überschaubar: Manchmal muss der Signalumsetzer gegen ein digitaltaugliches so genanntes "Universal-LNB" getauscht werden, das beim Discounter schon für zehn Euro zu haben ist.

 

Faustregel: Ist die Anlage älter, oft älter als zehn Jahre, ist auch die Technik an der Schüssel oft noch analog. Das merken Sie, wenn Sie mal einen digitalen Receiver anschließen und kein Bild sehen. Dann müssen Sie auch das LNB, den Signalumsetzer, auswechseln. Benötigen Sie die Hilfe des Technikers, rechnen Sie je nach Aufwand mit einmaligen Gesamtkosten ab 150 Euro.

Besseres Angebot

Hinzu kommt ein neues Empfangsgerät je Fernseher: Die Receiver kosten ab 40 Euro für digitalen Empfang. HD-taugliche Empfänger, also solche, die die hochauflösenden Programme der Öffentlich-Rechtlichen ohne Mehrkosten empfangen können, sind kaum teurer. Es lohnt sich aber, darauf zu achten, denn mit der Umstellung kommen zehn neue HD-Kanäle der öffentlich-rechtlichen Sender hinzu.

Das ZDF strahlt dann nicht mehr nur das Hauptprogramm in HD aus, sondern auch seine Digitalkanäle ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur. Das HD-Angebot der Privatsender ist nur gegen Mehrkosten abrufbar. "HD+" kostet 50 Euro im Jahr. Bei vielen neuen Receivern ist eine für zwölf Monate frei geschaltete HD+-Karte bereits enthalten.

 

Welche Ausstattung wählen?

Hochwertige Receiver können auch schnell 200 Euro und mehr kosten, wenn sie etwa noch eine Festplatte für Videoaufzeichnungen eingebaut haben und eine Verbindung ins Internet herstellen können. Ein sinnvolles Extra ist ein USB-Anschluss am Receiver. Dann kann das Gerät meist das Fernsehprogramm auf eine externe Festplatte oder einen USB-Stick aufzeichnen: Der Videorekorder wird überflüssig.

 

"Viele neue Fernsehgeräte bringen schon den Receiver im Gehäuse mit, auch darauf kann man beim Kauf achten", sagt Fernsehtechniker Schmidt. Wenn auf dem Fernseher oder der Verpackung das Kürzel "DVB-S" für digitalen Satellitenempfang steht, hat man gute Karten.

 

Millionen Nachzügler

Die Zahl der analogen Satellitenempfänger sinkt stetig, aber die Umrüstung steht noch bei rund drei Millionen Haushalten in Deutschland an. Die laufen Gefahr, dass ab 30. April der Bildschirm schwarz bleibt. Dann strahlt keiner der großen Sender mehr sein Fernsehen über das analoge Satellitennetz aus.

 

Wer beim Satellitenempfang bleiben will, hat keine Alternative zum Umstieg auf digitalen Empfang, denn die Fernsehsender haben die Verträge mit den Satellitenbetreibern wie Astra gekündigt. Eine Verlängerung des analogen Satellitenfernsehens über den 30. April 2012 hinaus wird es nicht geben.

Hotels und Krankenhäuser

Komplexer als in Einfamilienhäusern ist der Umstieg bei großen Anlagen: Hotels, Krankenhäuser und Wohnanlagen sind teilweise bis heute nicht auf digitalen Empfang umgerüstet. Nach Angaben der "Deutschen TV-Plattform" hat eine repräsentative Umfrage ergeben, dass insbesondere inhabergeführte Hotels zu einem Drittel noch nicht umgerüstet haben.

Dort könnte also der Bildschirm zum Stichtag 30. April schwarz bleiben, wenn nicht schleunigst nachgerüstet wird. Das Ganze ist in den großen Anlagen aufwendiger und komplizierter, weil die Satellitenschüssel hunderte Fernseher versorgt. Zwischen Antenne und Fernsehern steckt ein Verteiler, die Kopfstelle, die auch gewechselt werden muss. Schnell über zehntausend Euro kostet das - das sparen sich die Betreiber wohl - bis im Mai der Bildschirm schwarz bleibt - dann droht Ärger mit Mietern, Patienten und Gästen.

 

Pflicht des Vermieters

Beim Mieterbund ist das natürlich ein Thema: "Der Vermieter muss die Satellitenantenne und die Anlage umrüsten und bezahlen. Die Mieter sind verantwortlich für das Signal an ihrem eigenen Fernseher, konkret: Mieter müssen sich einen neuen Receiver kaufen und den auch bezahlen", sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Mieterbunds.

 

Fällt das Fernsehen aus, weil der Vermieter die Umrüstung verpasst hat, kommt laut Ropertz eine Mietminderung zwischen fünf und zehn Prozent in Betracht. Und: Der Mieter kann den Vermieter so zwingen, dass dieser die Umrüstung in die Wege leitet. Experten befürchten, dass es bis Ende des Jahres dauern könnte, bis alle Haushalte das digitale Satellitensignal empfangen können und umgerüstet sind.

 

Andere Empfangswege

Zuschauer mit Kabelanschluss sind davon nicht betroffen, hier kümmern sich die Kabelbetreiber wie Kabel Deutschland oder UnityMedia um die Umstellung. Bereits digital sind die weiteren Verbreitungswege wie Fernsehen per Internet (IPTV) und terrestrisches Antennenfernsehen (DVB-T).

 

Allerdings sind hochauflösende Bilder in bester Qualität bei DVB-T nicht möglich: Hier wird nur die so genannte Standardqualität (SD) ausgestrahlt - ein Nachteil.

 

Infobox

Der richtige Receiver

Wer heute in den Elektronikmarkt geht, findet eine Unzahl verschiedener Satellitenempfänger. Los geht es beim Billigmodell für 30 Euro, Topmodelle kosten schnell 600 Euro und mehr. Die goldene Mitte für gute Geräte liegt bei etwa 100 bis 200 Euro. Worauf sollten Sie achten? Die Experten der Fachzeitschrift "VideoHomeVision" nehmen regelmäßig Receiver im Testlabor unter die Lupe. Redakteur Andreas Greil nennt die wichtigsten Punkte: "Ein Muss in dieser Preisklasse ist, dass die Geräte hochauflösendes Fernsehen empfangen können. Pflicht sind auch die wichtigsten Anschlüsse (digital wie HDMI, analog wie Scart). Gut ist die Möglichkeit, über einen USB-Anschluss auf eine externe Festplatte das Programm aufzunehmen." Große Unterschiede gibt es bei der Bedienbarkeit, bei der Bildqualität und bei der Empfindlichkeit des Tuners.

 
 

Weitere Informationen

Auf unserer neuesten WISO-Monats-CD finden Sie weitere Hintergrundinformationen und zehn gute Receiver unter 200 Euro - die Favoriten aus dem Testlabor.

 
 
 
 
 
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